… meine Verlegerin hat auch noch eine ganze Weile mein Schicksal beobachtet. Der Anfang war vielversprechend. Das erste Pärchen, das sich mir näherte, bemerkte mich zwar, beriet sich darüber, beschloss aber, das suspekte Ding lieber nicht zu berühren und zog weiter. Doch schon die zweite Gruppe setzte sich hin, blätterte und der Mann hinterliess eine nette Seite. Herzlichen Dank hierfür, die Freundschaft am Thunersee sei erwidert.
Ja, meine Verlegerin hat’s gelesen, denn beim Zusehen kam ihr plötzlich die Erkenntnis, dass ich ja gar kein Schreibzeug dabei hatte. Nicht jedermann läuft schliesslich mit Kugelschreiber in der Tasche herum. Also holte sie mich nochmal zurück, fuhr nach Hause, las und ergänzte das Päckchen mit Kugelschreiber und Bleistift.
Wieder am selben Ort und mit Eis und einem Buch zum Lesen ausgerüstet harrte sie in Blickweite meines weiteren Schicksals. Aber obwohl an diesem herrlichen schweizerisch feierlichen Tag jede Menge Leute sich hinsetzten, war es wie verhext. Entweder war plötzlich nicht mehr nur die Tüte durchsichtig oder wenn sich tatsächlich jemand überwinden konnte, seine Neugier zuzugeben und den Plastiksack zu öffnen, dann zuckte er sofort zurück beim Anblick von handgeschriebenen Seiten. Waren es die Stifte, die den Anschein eines privaten Tagebuches erweckten?
Nach Stunden gab sie es schliesslich auf und überliess mich meinem Schicksal. Dumm nur, dass der Sack nicht mehr geschlossen und für die Nacht Regen angesagt war. Doch schliesslich versprach der Abend noch lang und publikumsreich zu werden.
Und irgendjemand hat mich dann schliesslich doch noch mitgenommen …